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Kontaktlinsen-Lexikon

Irrtümer, Missverständnisse und Vorurteile gegenüber Kontaktlinsen

Kontaktlinsen gehören schon seit längerem zu einer weitverbreiteten Form von Sehhilfen, mit denen Fehlsichtigkeiten (Ametropien) korrigiert werden. Dennoch gibt es eine weitverbreitete Anzahl an Irrtümern, Missverständnissen und Vorurteilen in Bezug auf die Handhabung und die Eigenschaften von Kontaktlinsen.

Zehn weit verbreitete Kontaktlinsenirrtümer

1. Kontaktlinsen mit hohem Wassergehalt eignen sich besonders gut für Menschen mit trockenen Augen

Ein weit verbreiteter Irrtum besagt, dass Kontaktlinsen mit hohem Wassergehalt sich besonders gut für Menschen mit trockenen Augen eignen. Dies stimmt jedoch nicht. Kontaktlinsen neigen dazu ihren eigenen Wassergehalt auszugleichen. Hat eine Linse einen hohen Wassergehalt, so entzieht sie die verdunstete Flüssigkeit dem Auge und versucht auf diesem Weg den eigenen Flüssigkeitshaushalt auszugleichen. Deshalb sind es die Kontaktlinsen mit niedrigem Wassergehalt, die sich für trockenen Augen geeignenet sind. Sie haben einen relativ niedrigen Wassergehalt vonn 33 bis 38 % und bestehen aus dem Kontaktlinsenmaterial Silikon-Hydrogel.

2. Kontaktlinsen können hinter das Auge rutschen

Einem anderen Vorurteil zufolge besteht bei Kontaktlinsen die Gefahr, dass sie hinter das Auge rutschen. Aufgrund der physischen Bauweise des Auges ist auch dies nicht möglich. Kontaktlinsen werden in das Auge auf die Hornhaut (Kornea) aufgesetzt. Die Hornhaut schließt im Randbereich an die Bindehaut an, die wiederum mit den Augenlidern verwachsen ist. Kontaktlinsen können nicht hinter das Auge rutschen, da keine Öffnung existiert, durch welche die Kontaktlinsen rutschen könnten.

3. Kontaktlinsen mit integriertem UV-Schutz machen das Tragen von Sonnenbrillen unnötig

Viele Menschen glauben, dass Kontaktlinsen mit einem integrierten UV-Schutz das Tragen einer Sonnenbrille unnötig machen. Dies ist ein gefährlicher Irrtum, der ernsthafte Folgen für die Gesundheit der Augen bedeuten kann. Die Bindehaut wird von den Kontaktlinsen nicht abgedeckt. Die Bindehaut ist sehr empfindlich und muss unbedingt durch das Tragen einer Sonnenbrille vor den schädlichen UV-Strahlen geschützt werden.

4. Kontaktlinsen trocknen die Augen aus

Ein weiteres Vorurteil besagt, dass Kontaktlinsen die Augen austrocknen können. Bei Menschen, die zu trockenen Augen neigen und einer Tätigkeit vor einem Bildschirm oder im Nahbereich nachgehen, ist die Blinzelfrequenz verringert. Sie ist jedoch für die Benetzung der Kontaktlinsen mit Tränenflüssigkeit wichtig. Nachbenetzer helfen den Flüssigkeitshaushalt auszugleichen und trockene Augen zu verhindern.

5. Kontaktlinsen sind viel teurer als Brillen

Viele Menschen glauben, dass Kontaktlinsen teurer als Brillen sind. Dies stimmt so jedoch nicht. Die Kosten für Kontaktlinsen sind meistens nicht höher, als die für Brillen. Schließlich benötigt man in gewissen Abständen immer wieder ein neues Brillengestell und/oder Brillengläser mit einer anderen Stärke.

6. Die Handhabung von Kontaktlinsen ist äußerst kompliziert

Ein weiterer Irrtum besagt, dass Kontaktlinsen umständlich zu handhaben sind. Auch dies ist falsch. Nach einer relativ kurzen Eingewöhnungsphase ist es bereits recht einfach die Kontaktlinsen einzusetzen und herauszunehmen. Der ganze Vorgang ist dann innerhalb weniger Sekunden abgeschlossen.

7. Alterssichtigkeit kann mit Kontaktlinsen nicht korrigiert werden

Einem anderem Irrtum zufolge können Kontaktlinsen bei Alterssichtigkeit (Presbyopie) nicht zur Korrektur einer Fehlsichtigkeit (Ametropie) verwendet werden. Auch dem ist zu eidersprechen. Besteht beispielsweise abgesehen von der Alterssichtigkeit ein weiterer Sehfehler können unter anederem multifokale Kontaktlinsen verwendet werden. Das Auge kann mit diesen Linsen Objekte im Nah-, Mittel-, und Fernbereich scharf wahrnehmen, da diese Linsen in mehrere Sehbereiche mit unterschiedlichen Korrekturwerten unterteilt sind. Betroffene müssen lediglich durch den entsprechenden Bereich der Linse blicken, um scharf sehen zu können. Die Gewöhnungsphase ist relativ kurz, so dass Träger von multifokalen Kontaktlinsen bereits nach kurzer Zeit problemlos mit den neuen Linsen umgehen können.

8. Eine Hornhautverkrümmung macht das Tragen von Kontaktlinsen unmöglich

Dass Menschen mit einer Hornhautverkrümmung (Astigmatismus) vom Tragen von Kontaktlinsen ausgeschlossen sind, ist ebenfalls ein Irrtum. Jedes Auge ist individuell und Kontaktlinsen müssen unbedingt vom Augenoptiker oder Augenarzt angepasst werden. Im Fall einer Hornhautverkrümmung werden Kontaktlinsen mit der individuellen Krümmung der Hornhaut angefertigt, so dass Betroffene vom Tragen von Kontaktlinsen nicht ausgeschlossen sind. Oftmals müssen diese Kontaktlinsen torisch sein.

9. Kontaktlinsen können nicht über Nacht getragen werden

Ein anderes Vorurteil gegenüber Kontaktlinsen besagt, dass Kontaktlinsen auf keinen Fall über Nacht getragen werden dürfen. Dies stimmt so nicht. Die spezielle Eigenschaften der modernen Kontaktlinsenmaterialien ermöglichen das Tragen von Kontaktlinsen über Nacht. Das Kontaktlinsenmaterial dieser Linsen ist besonders Sauerstoffdurchlässig und eignet sich auch zum Tragen über Nacht.

10. Es ist möglich, dass sich Kontaktlinsen am Auge festsaugen, so dass sie operativ entfernt werden müssen

Manche Menschen glauben, dass sich Kontaktlinsen an das Auge festsaugen können, so dass sie operativ entfernt werden müssen. Die Anpassung vom Fachamann schließt dies jedoch nahezu aus. Der Augenoptiker oder Augenarzt achtet während der Anpassung genau darauf, dass sich die Kontaktlinsen perfekt an das Auge anschmiegen und optimal unterspült auf einem Tränenfilm auf der Hornhaut (Kornea) "schwimmen".